Folgen 01-17 auf 33er Vinyl-Platten

Das Interview: Sauer?- Nein, aber sehr enttäuscht!

Reinold Louis - 40 Folgen „Kölsche Evergreens“ – und seit 40 Jahren sind Sie dabei, als Initiator, Moderator, Brauchtumsexperte, Strippenzieher, Ideengeber, Produzent, Netzwerker - Wissen Sie noch, wie alles begann?
Und ob ich das noch weiß.

Gut, ich höre
Es war Ende 1972. Heinz Hartel, Leiter der Werbe-Abteilung der Kreissparkasse Köln, sprach mich an und meinte, ich habe doch immer gute Ideen – er suche nach einem Streuartikel mit „kölschem Hintergrund“ als Werbegeschenk für die Kundschaft aus Anlass des 50jährigen Zweckverbandssjubiläums der Kreissparkasse Köln und er habe die Hoffnung, ich könne ihm da weiterhelfen.

Und, konnten Sie?
Klar, konnte ich das. Vorausgesetzt, so habe ich gesagt, Sie trennen sich vom „Sparkasssen-Zweckverbands-Jubiläum“. Denn wenn Sie das Wort mit einem Geschenk an den Kunden verbinden wollen, flüchtet der, weil e r meint, Sie wollten ihm was verkaufen. Nehmen Sie stattdessen das 150jährige Jubiläum des Festkomitees Kölner Karneval zum lauten Anlass nach Außen und das Sparkassen Zweckverbandsjubiläum zum leisen Anlass nach Innen.

Jetzt haben wir aber immer noch kein Geschenk.
Nö, aber eine gute Idee dafür.

Und die wäre?
Wir produzieren mit der EMI Electrola eine Single Schallplatte. Ein Lied über Tünnes und Schäl auf der A-Seite und ein Lied über Kölnisch Wasser auf der B-Seite.

Wie kommen Sie denn dadrauf?
Tünnes und Schäl stehen als Bronzeplastiken von Hein Derichsweiler im Foyer der Kassenhalle. Als Bühnenpaar wurden sie von Wilhelm Millowwitsch hier im damaligen Circus Carree – da, wo sich heute ungefähr Ihr Büro befindet – geboren und der Kölnisch Wasser Brunnen in der Kassenhalle ist ja auch hinlänglich bekannt.

Und, was geschah dann?
Herr Hartel hat meinen Vorschlag dem damaligen Vorstandsmitglied Dr. Hans-Joachim Möhle klopfenden Herzens vorgetragen, weil er befürchtete, der würde ihn für verrückt erklären.

Und, hat er das getan!
Nein, es kam ganz anders. Dr. Möhle meinte, wenn schon eine Schallplatte, dann lasst uns doch eine LP herausbringen. Ich wurde beauftragt, entsprechende Gespräche mit der Sonderfertigung der EMI Electrola zu führen, was ich dann auch tat. 15 Titel konnte ich aus meinem Bestand an Schellack-Platten bereitstellen, den 16. Titel steuerte ein Kunde bei. Der Vorstand höchstpersönlich bedankte sich mit einem Schreiben beim Kunden und lud ihn zur Präsentation ein.

Das war doch sicher ein toller Tag für Sie.
Ja, aber anders als Sie meinen!? Ich war damals stellvertretender Leiter der Kontokorrent-Abteilung in der Kassenhalle. Ich sehe heute noch Hans-Philipp Herrig und Hans Süper von den Vier Botze quer durch die Kassenhalle laufen, um mich zu suchen. Die beiden waren erstaunt, dass ich nicht bei der Präsentation war und sie wollte sich aber ganz herzlich bedanken, dass ich zwei Lieder von den Vier Botze berücksichtigt hatte.

Warum waren Sie denn nicht bei der Präsentation?
Ganz einfach – ich hatte keine Einladung erhalten. Ich muss allerdings anfügen, dass ich nach den erfolgreichen Verhandlungen mit der EMI Electrola und dem eingeholten Angebot mit dem weiteren Ablauf nicht mehr betraut war.

Sie waren, wie man so sagt, sauer.
Sauer war ich nicht -Enttäuscht war ich schon, – einerseits.

Gibt es ein „andererseits“?
Ja – und da habe ich mir gedacht: Strafe folgt auf dem Fuß! Denn aus dem 150jährigen Jubiläum des Festkomitees Kölner Karneval war auf der Platten-Rückseite die Rede vom 150jährigen Jubiläum des Festausschusses Kölner Karneval. Der Festausschuss war bereits in den 60er Jahren wieder umbenannt worden.

Wurde der Fehler korrigiert?
Zunächst einmal erhielt das Festkomitee ein „Schmerzensgeld“ in Form einer Spende. Bei der Neuauflage der Platte wurde der Fehler dann korrigiert.

Es gab also eine zweiten Auflage?`
Ja, denn die 5000 Platten waren sofort vergriffen. Es wurden dann 10.000 Platten nachgepresst. Und da die Nachpressung neben der Wortkorrektur auch ein verändertes Foto aufwies, wurde die „Alt-Platte“ zu einem heißbegehrten Sammler-Objekt.

Abschließende Frage: Welche Ausgabe steht in Ihrer Sammlung?
Sowohl als auch, also beide Versionen!